Aktuelles aus dem Verband

Schlechteste PISA-Ergebnisse seit Beginn der Erhebungen – und was bedeutet das für die Kita?
10.09.2026
Die aktuellen Ergebnisse der internationalen PISA-Studie zeigen deutlichen Handlungsbedarf im deutschen Bildungssystem. In Deutschland wurden 2025 in Mathematik, Lesekompetenz und Naturwissenschaften jeweils die niedrigsten PISA-Ergebnisse seit Beginn der Erhebungen gemessen.
Aus unserer Sicht muss dieser Befund auch als Auftrag verstanden werden, frühzeitig in Bildung zu investieren. Denn Bildung beginnt nicht erst mit der Einschulung.
Die Bundesregierung hat angekündigt, die frühkindliche Bildung stärker in den Blick zu nehmen. Vorgesehen sind unter anderem bundesweite Qualitätsstandards sowie die Feststellung des Sprach- und Entwicklungsstands von Kindern spätestens mit vier Jahren und anschließende Fördermaßnahmen.
Mehr Anforderungen brauchen mehr Ressourcen
Wir begrüßen grundsätzlich das Ziel, Kinder frühzeitig zu unterstützen. Entscheidend ist jedoch die Frage, unter welchen Bedingungen diese zusätzlichen Aufgaben in den Kitas umgesetzt werden sollen.
Diagnostik, Dokumentation, Förderung, Inklusion, Sprachbildung und die Zusammenarbeit mit Familien gehören bereits heute zum anspruchsvollen Alltag der pädagogischen Fachkräfte.
Wenn die frühkindliche Bildung gestärkt werden soll, müssen deshalb auch die notwendigen personellen und strukturellen Ressourcen zur Verfügung stehen.
Mehr Aufgaben bei gleichbleibenden oder nicht ausreichenden Ressourcen führen nicht automatisch zu mehr Qualität.
Frühkindliche Bildung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe
Die aktuellen PISA-Ergebnisse machen deutlich, dass Deutschland beim Thema Bildung vor großen Herausforderungen steht. Eine nachhaltige Verbesserung beginnt jedoch nicht erst in der Schule.
Kinder brauchen von Anfang an gute Bildungs- und Entwicklungsbedingungen, ausreichend qualifiziertes Personal und Zeit für pädagogische Arbeit.
Wir fordern deshalb, die frühkindliche Bildung nicht nur politisch zu benennen, sondern dauerhaft und auskömmlich zu finanzieren.
Investitionen in Kitas sind Investitionen in Bildung und damit Investitionen in die Zukunft unserer Gesellschaft.
Den Worten, dass frühkindliche Bildung gestärkt werden soll, muss entsprechendes Handeln folgen.

Stellungnahme der Verbände
06.06.2026
Die Kita-Fachkräfteverbände in Deutschland haben eine gemeinsame Stellungnahme zum bundesweiten Projekt „Klasse 0 – fit für die Einschulung“ veröffentlicht. Hintergrund sind die steigenden Zahlen von Kindern, die bei Schuleingangsuntersuchungen Förderbedarfe zeigen und künftig durch zusätzliche Angebote an Grundschulen unterstützt werden sollen.
Aus Sicht der Kita-Fachkräfteverbände greift dieser Ansatz jedoch zu kurz. Die Verbände weisen darauf hin, dass die eigentlichen Herausforderungen bereits deutlich früher beginnen und eng mit den Rahmenbedingungen in den Kindertageseinrichtungen verbunden sind.
Frühkindliche Bildung stärken statt Probleme verlagern
Kitas sind das Fundament des Bildungssystems. Die ersten Lebensjahre sind entscheidend für die Entwicklung von Kindern und bilden die Grundlage für ihren weiteren Bildungsweg. Was in dieser Zeit aufgrund unzureichender Rahmenbedingungen nicht ausreichend begleitet und gefördert werden kann, lässt sich später nur schwer aufholen.
Die Verbände kritisieren, dass vielerorts die strukturellen Voraussetzungen fehlen, um den gesetzlichen Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsauftrag umfassend umzusetzen. Trotz steigender Anforderungen durch den Ausbau der Betreuungsangebote, zunehmende Vielfalt in den Gruppen und inklusive Aufgaben seien Personalschlüssel und räumliche Bedingungen vielerorts nicht ausreichend angepasst worden.
Fachkräfte benötigen Zeit für pädagogische Arbeit
Erzieherinnen und Erzieher verfügen über eine fundierte Ausbildung und umfangreiche Kompetenzen in der frühpädagogischen Arbeit. Die entscheidende Frage sei jedoch, wie viel Zeit ihnen im Alltag tatsächlich für Bildung und Förderung bleibt. Personalmangel und unzureichende Personalschlüssel führen häufig dazu, dass pädagogische Angebote zugunsten der reinen Aufsicht und Betreuung eingeschränkt werden müssen.
Die Verbände betonen, dass Kinder insbesondere durch verlässliche Beziehungen, individuelle Begleitung und anregende Lernumgebungen in ihrer Entwicklung unterstützt werden. Dafür benötigen Fachkräfte ausreichend Zeit und Ressourcen.
Offene Fragen zur Umsetzung der „Klasse 0“
Aus Sicht der Praxis wirft das geplante Modell zudem organisatorische Fragen auf. So müsse geklärt werden, wer die Kinder zu den Förderangeboten in den Schulen begleitet und welche Auswirkungen dies auf die personelle Situation in den Kitas hat. Zusätzliche Wegezeiten und Begleitungen könnten die ohnehin angespannte Personalsituation weiter verschärfen.
Forderung nach nachhaltigen Lösungen
Die Kita-Fachkräfteverbände fordern daher, Kitas personell und räumlich so auszustatten, dass die Bildungspläne und Bildungs- und Erziehungsempfehlungen der Bundesländer tatsächlich umgesetzt werden können. Frühkindliche Bildung müsse von Beginn an gestärkt werden und dürfe nicht erst im letzten Jahr vor der Einschulung in den Fokus rücken.
Gleichzeitig begrüßen die Verbände eine engere Zusammenarbeit zwischen Kitas und Grundschulen. Damit Kooperationen erfolgreich gelingen können, brauche es jedoch ausreichend Zeit, Personal und geeignete Rahmenbedingungen.
Gemeinsam für gute Rahmenbedingungen
Als Vertretungen der Kita-Praxis bringen die Kita-Fachkräfteverbände ihre Erfahrungen und fachliche Expertise aktiv in bildungspolitische Diskussionen ein. Ihr Ziel ist es, nachhaltige Lösungen für eine hochwertige frühkindliche Bildung zu entwickeln und die Rahmenbedingungen für Kinder und Fachkräfte langfristig zu verbessern.

Sprachförderung braucht mehr als Einzelmaßnahmen
10.02.2026
Der Kita-Fachkräfteverband Niedersachsen-Bremen e.V. teilt die Sorge um die sprachliche Entwicklung von Kindern, warnt jedoch vor verkürzten politischen Lösungsansätzen. Die Verstetigung der Sprachfördermittel ist richtig, bleibt ohne Dynamisierung jedoch unzureichend.
Sprachförderung findet in Kitas bereits täglich alltagsintegriert statt - im Spiel, im Dialog und in stabilen Beziehungen. Dafür brauchen Fachkräfte vor allem Zeit und verlässliche Rahmenbedingungen. Zusätzliche Aufgaben ohne zusätzliche Ressourcen bleiben reine Symptombehandlung.
Eine frühzeitige Ermittlung des Sprachstands ist sinnvoll. Falsch ist jedoch, Sprachförderung ungelernten Kräften zu übertragen oder Gruppengrößen auszuweiten. In vielen Einrichtungen erhalten bereits zahlreiche Kinder Frühförderung oder therapeutische Unterstützung. Gleichzeitig können Sprachförderkräfte ihre Arbeit wegen Personalmangels kaum ausüben.
Auch Forderungen nach verpflichtenden Schulungen greifen zu kurz: Schulungen für wen und mit welchem Ziel? Ohne ein Gesamtkonzept führen sie zu weiterer Belastung statt Entlastung.
Wir fordern eine dynamisierte Finanzierung, mehr Arbeitszeit für Fachkräfte und eine politische Perspektive, die das große Ganze in den Blick nimmt.
„Es ist gut, dass die Politik hinschaut – aber es reicht nicht“, so Melanie Krause (1. Vorsitzende). „Wirksame Sprachförderung braucht Zeit, Personal und gute Bedingungen.“

Rückblick auf 3 Jahre
29.01.2026
Im Rahmen unserer Rückblick-Reihe möchten wir auf einen besonderen Termin der vergangenen Monate zurückblicken: den Austausch im Netzwerk #NeustartBildungJetzt.
Die Initiative hat in den vergangenen drei Jahren zahlreiche Akteurinnen und Akteure aus Bildung, Wissenschaft, Praxis, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammengebracht. Ziel war es, gemeinsam Impulse für eine nachhaltige Weiterentwicklung des deutschen Bildungssystems zu setzen und bildungspolitische Forderungen sichtbar zu machen.
Drei Jahre gemeinsames Engagement
Während des Treffens wurde auf die gemeinsame Arbeit der vergangenen Jahre zurückgeblickt. Dabei wurde deutlich, wie viele Menschen und Organisationen sich mit großem Engagement eingebracht haben, um Themen wie Chancengerechtigkeit, Bildungsqualität und die Zukunftsfähigkeit unseres Bildungssystems voranzubringen.
Die Initiative hat wichtige Diskussionen angestoßen, unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt und gezeigt, wie wertvoll ein breites gesellschaftliches Bündnis für Bildungsfragen sein kann.
Wie geht es weiter?
Neben dem Rückblick stand vor allem die Zukunft im Fokus. Gemeinsam wurde diskutiert, wie die entstandenen Netzwerke, Kontakte und Themen auch weiterhin genutzt und weiterentwickelt werden können.
Einigkeit bestand darin, dass die Herausforderungen im Bildungssystem weiterhin groß sind und die begonnenen Diskussionen fortgeführt werden müssen. Gute Bildung braucht auch künftig starke Stimmen, fachlichen Austausch und eine enge Zusammenarbeit über Organisations- und Fachgrenzen hinweg.
Vernetzt bleiben und weiter gestalten
Auch wenn die Initiative #NeustartBildungJetzt in ihrer bisherigen Form endet, bleiben die aufgebauten Beziehungen und die gemeinsamen Ziele bestehen.
Für uns war die Beteiligung eine wertvolle Möglichkeit, Perspektiven aus der frühkindlichen Bildung einzubringen, neue Kontakte zu knüpfen und gemeinsam mit vielen engagierten Menschen an einer besseren Bildungslandschaft zu arbeiten.
Wir danken allen Beteiligten für den offenen Austausch und die konstruktive Zusammenarbeit der vergangenen drei Jahre und freuen uns darauf, die wichtigen Themen auch zukünftig gemeinsam weiter voranzubringen.
Denn eines ist klar: Bildung bleibt eine der zentralen Zukunftsaufgaben unserer Gesellschaft.

Bündnis setzt sich seit Jahren für praxisintegrierte Ausbildung ein
01.2026
Ein breites Bündnis aus den Kommunalen Spitzenverbänden in Niedersachsen, der Gewerkschaft ver.di, dem Kita-Fachkräfteverband Niedersachsen-Bremen e.V. sowie dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Niedersachsen e.V. setzt sich bereits seit mehreren Jahren für die Einführung einer praxisintegrierten und vergüteten Ausbildung (PiA) für Erzieherinnen auf DQR6-Niveau in Niedersachsen ein.
Bereits in den vergangenen Jahren fanden zahlreiche Gespräche mit politischen Vertreter*innen sowie dem Kultusministerium statt, um die Einführung der PiA voranzubringen. Das Ziel ist klar: Niedersachsen braucht zusätzliche und zukunftsfähige Wege, um dem Fachkräftemangel in Krippen und Kitas wirksam zu begegnen.
In vielen anderen Bundesländern wurde PiA bereits erfolgreich eingeführt. Die Ausbildungsform bietet zahlreiche Vorteile: Die enge Verzahnung von Theorie und Praxis erleichtert den Einstieg in den Beruf, schafft eine direkte Verbindung zwischen Ausbildung und Arbeitsalltag und macht den Ausbildungsweg verständlicher und praxisnäher. Gleichzeitig eröffnet PiA neue Zugänge und Zielgruppen für die Erzieher*innenausbildung.
Ein wesentlicher Baustein ist zudem die Vergütung ab Beginn der Ausbildung. Eine tariflich vergütete Ausbildung stellt eine wichtige Aufwertung des Berufsfeldes dar und kann dazu beitragen, mehr Menschen für den Beruf zu gewinnen.
Vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftemangels ist PiA damit weit mehr als ein weiterer Ausbildungsweg. Sie ist ein wichtiger Beitrag zur Entlastung und Stabilisierung des Kita-Systems in Niedersachsen.
Ein bedeutender Schritt wurde inzwischen erreicht: Es gibt einheitliche Positionierungen zur PiA. Dies stärkt die Initiative erheblich und schafft Rückenwind für die nächsten Schritte.
Im weiteren Austausch wurden zahlreiche Fragestellungen diskutiert, darunter Finanzierungs- und Refinanzierungsmodelle, Zugangsvoraussetzungen, Praxismentoring, Anerkennungsverfahren und mögliche Kooperationen.
Für das Bündnis bleibt die zentrale Botschaft eindeutig: Wer in die Zukunft investieren will, muss in die Fachkräfte von morgen investieren. Gute frühkindliche Bildung braucht starke Rahmenbedingungen und attraktive Ausbildungswege.

Wo bleibt der Aufschrei? – Kindgerechte Kitas gibt es in keinem Bundesland
28.01.2026
Die aktuelle Bertelsmann-Studie zur Personalausstattung in Kindertageseinrichtungen kommt zu einem alarmierenden Ergebnis:
Kein Bundesland bietet derzeit kindgerechte Rahmenbedingungen in seinen Kitas.
Die Reaktionen aus der Kita-Politik sind aus Sicht der Kita-Fachkräfteverbände jedoch enttäuschend bis erschreckend. Aussagen, wonach eine Personalausstattung von 100 % lediglich ein „Optimum“ sei und man auch mit weniger zufrieden sein könne, verkennen die Realität frühpädagogischer Arbeit grundlegend.
Dabei ist die Aussage der Studie eindeutig: Ohne eine Personalausstattungsquote von 100 % ist keine kindgerechte Betreuung, Erziehung und Bildung möglich.
Die Berechnungen berücksichtigen dabei bereits unterschiedliche Bedarfe - etwa durch jüngere Kinder, Kinder mit nichtdeutscher Familiensprache oder Kinder mit besonderem Förder- und Unterstützungsbedarf.
Eine unzureichende Personalausstattung hat gravierende Folgen für den Kita-Alltag:
Persönliche Zuwendung, Trost und Nähe können nicht ausreichend gewährleistet werden.
Alltagsintegrierte Sprachförderung bleibt eingeschränkt, da Zeit für intensive Interaktionen fehlt.
Pädagogische Arbeit kann nicht ausreichend differenziert auf unterschiedliche Entwicklungsstände eingehen.
Interessen, Fragen und Ideen der Kinder können nur begrenzt aufgegriffen werden.
Eine kontinuierliche, entwicklungsangemessene Begleitung der Kinder ist nicht sichergestellt.
Vor- und Nachbereitungszeiten fehlen oder fallen weg.
Kinder mit besonderen Bedarfen können nicht angemessen gefördert werden.
Überforderung und Überlastung betreffen sowohl Kinder als auch Fachkräfte.
Fachkräfte resignieren oder verlassen das Berufsfeld, weil sie ihrem pädagogischen Anspruch nicht gerecht werden können.
Politische Versprechen von „bester Bildung von Anfang an“ und der Aussage, Kinder seien das wichtigste Gut unserer Gesellschaft, verpflichten zum Handeln.
Es braucht endlich bundesweit kindgerechte Bedingungen in allen Kitas, um frühkindliche Bildung auf ein stabiles Fundament zu stellen - für Kinder, Familien und Fachkräfte.

Arbeitsmarkt Kita: Aktuelle Entwicklungen und Perspektiven
Am 22. Januar 2026 nahmen wir an der Online-Veranstaltung „WiFF im Diskurs“ zum Thema „Arbeitsmarkt Kita: Aktuelle Entwicklungen und Perspektiven“ teil. Referent war Pascal Hartwich von der TU Dortmund, der aktuelle Erkenntnisse aus dem Fachkräftebarometer Frühe Bildung vorstellte.
Veränderte Rahmenbedingungen in der Kindertagesbetreuung
In den vergangenen Jahren wurde das System der Kindertagesbetreuung durch einen starken Ausbau geprägt. Gleichzeitig führte der Fachkräftemangel vielerorts zu erheblichen Belastungen in den Einrichtungen. Nun zeigen die rückläufigen Geburtenzahlen erste Auswirkungen auf die Entwicklung des Arbeitsmarktes.
Sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland hat sich das Wachstum der Beschäftigtenzahlen verlangsamt. Während in Ostdeutschland bereits erste Anzeichen einer Stagnation sichtbar werden, bleibt die Entwicklung in Westdeutschland ebenfalls deutlich hinter den Wachstumsraten der Vorjahre zurück.
Der Fachkräftemangel bleibt bestehen
Trotz der veränderten Rahmenbedingungen bleibt der Beruf der Erzieherin bzw. des Erziehers weiterhin ein Engpassberuf. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass sich die Arbeitsmarktsituation langfristig verändern könnte und regionale Unterschiede stärker in den Vordergrund treten werden.
Teilzeit als bewusste Entscheidung
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den Beschäftigungsbedingungen in der frühen Bildung. Die hohe Teilzeitquote wird häufig diskutiert, ist jedoch überwiegend das Ergebnis bewusster Entscheidungen der Beschäftigten. Persönliche Lebenssituationen wie die Betreuung eigener Kinder, die Pflege von Angehörigen oder gesundheitliche Gründe spielen hierbei eine zentrale Rolle.
Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit liegt bei 32,5 Stunden. Rund 63 Prozent der Beschäftigten arbeiten in Vollzeit oder vollzeitnah. Etwa 90 Prozent sind mit ihrem Stundenumfang zufrieden.
Arbeitsbelastung bleibt hoch
Besonders deutlich wurde, dass sinkende Kinderzahlen nicht automatisch zu einer Entlastung des Personals führen. Die durchschnittlichen krankheitsbedingten Ausfallzeiten liegen bei etwa 40 Tagen pro Jahr. Gleichzeitig steigt der Anteil älterer Fachkräfte in den Einrichtungen.
Um Fachkräfte langfristig gesund im Beruf zu halten, sind nachhaltige Verbesserungen der Arbeitsbedingungen erforderlich. Dazu gehören unter anderem gesundheitsförderliche Arbeitsstrukturen, eine angemessene Personalausstattung und verlässliche Rahmenbedingungen.
Fazit
Die Veranstaltung machte deutlich, dass die Kindertagesbetreuung vor einer neuen Entwicklungsphase steht. Während der quantitative Ausbau vielerorts an Dynamik verliert, gewinnen Qualitätsentwicklung, Fachkräftebindung und Gesundheitsförderung zunehmend an Bedeutung.
Die aktuellen Veränderungen bieten die Chance, den Fokus künftig stärker auf die Qualität der pädagogischen Arbeit und die nachhaltige Sicherung des Fachkräftebestandes zu richten. Damit dies gelingt, sind weiterhin politische Entscheidungen und strukturelle Verbesserungen notwendig.

Erkenntnisse aus TALIS Starting Strong zum Kita-Alltag
Am 4. Dezember 2025 haben wir am OECD-Webinar zur Veröffentlichung der internationalen Studie „TALIS Starting Strong 2024“ teilgenommen. Die Veranstaltung wurde vom OECD Berlin Centre, dem Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) sowie dem Internationalen Zentrum Frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung (ICEC) am Deutschen Jugendinstitut (DJI) ausgerichtet.
Die Studie zählt zu den größten internationalen Befragungen von pädagogischen Fach- und Leitungskräften im Bereich der frühen Bildung. Insgesamt beteiligten sich 16 Länder und ermöglichten damit einen umfassenden Einblick in die Arbeitsbedingungen, Herausforderungen und Perspektiven der Fachkräfte.
Fachkräfte erleben hohe Wertschätzung durch Eltern
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die hohe wahrgenommene Wertschätzung durch Eltern. Gleichzeitig zeigt sich eine deutliche Diskrepanz zur gesellschaftlichen Anerkennung des Berufsfeldes. Viele Fachkräfte haben das Gefühl, dass ihre Arbeit von der Gesellschaft insgesamt deutlich weniger wertgeschätzt wird.
Mehrsprachigkeit und Diversität als zentrale Herausforderungen
Die Ergebnisse machen deutlich, dass sprachliche Vielfalt und Mehrsprachigkeit zunehmend den Alltag in Kindertageseinrichtungen prägen. Viele Fachkräfte fühlen sich jedoch nicht ausreichend auf diese Anforderungen vorbereitet.
Zudem wurde darauf hingewiesen, dass die Darstellung von Diversität in pädagogischen Materialien, beispielsweise in Büchern, in Deutschland vergleichsweise gering ausgeprägt ist.
Hohe Belastungen prägen den Arbeitsalltag
Die größten Stressfaktoren für Fachkräfte sind laut Studie:
- Zu viele gleichzeitig zu bewältigende Aufgaben
- Personalausfälle und zusätzliche Vertretungssituationen
- Die Umsetzung inklusiver Bildung
Auch Kita-Leitungen berichten von erheblichen Herausforderungen. Als größtes Problem werden Personalausfälle genannt. Gleichzeitig benötigen Leitungen mehr Unterstützung, insbesondere bei Verwaltungs- und Organisationsaufgaben.
Hohe Identifikation mit dem Beruf
Trotz der angespannten Situation zeigt die Studie ein bemerkenswert hohes berufliches Engagement. Viele Fachkräfte identifizieren sich stark mit ihrem Beruf und zeigen großes Interesse an Fort- und Weiterbildung.
Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass die Teilnahme an Fortbildungen aufgrund hoher Ausfallzeiten und Personalknappheit in den vergangenen Jahren zurückgegangen ist.
Entwicklungsperspektiven schaffen
In der Diskussion wurde betont, dass zusätzliche Funktionsstellen neue Entwicklungsmöglichkeiten schaffen könnten. Beispiele hierfür sind Praxismentorinnen und Praxismentoren oder Fachkräfte mit besonderen Aufgaben im Bereich Inklusion.
Solche Karrierewege könnten dazu beitragen, Fachkräfte langfristig im Beruf zu halten und zusätzliche Qualifikationen stärker zu nutzen.
Unser Fazit
Die Ergebnisse von TALIS Starting Strong zeigen deutlich: Die Fachkräfte in der frühen Bildung verfügen über ein hohes Maß an Engagement, Professionalität und Identifikation mit ihrem Beruf. Gleichzeitig stehen sie unter erheblichem Druck.
Um die Qualität der frühkindlichen Bildung langfristig zu sichern, braucht es nachhaltige Investitionen in gute Arbeitsbedingungen, ausreichend Personal, attraktive Entwicklungsmöglichkeiten sowie eine stärkere gesellschaftliche Anerkennung des Berufsfeldes.
Die Studie liefert wichtige Impulse für die weitere Diskussion über die Zukunft der Kindertagesbetreuung und die Stärkung der Fachkräfte, die diese täglich gestalten.

Bildung als Fundament einer demokratischen Gesellschaft
20.01.2026
Zum Jahresauftakt lud die niedersächsische Landtagsfraktion der Grünen zum Neujahrsempfang im Niedersächsischen Landtag ein. Unter dem Titel „Bildung stärkt Zusammenhalt - Lernen in einer demokratischen Gesellschaft“ standen aktuelle Herausforderungen und Perspektiven im Bildungsbereich im Mittelpunkt.
Eröffnet wurde die Veranstaltung durch Lena Nzume und Pascal Mennen, die die Gäste begrüßten und auf die Bedeutung von Bildung für gesellschaftlichen Zusammenhalt und demokratische Teilhabe eingingen. Im Anschluss richtete der Fraktionsvorsitzende Detlef Schulz-Hendel seine Worte an die Teilnehmenden und unterstrich die Rolle von Bildung als zentrales Zukunftsthema.
Inhaltliche Impulse lieferten verschiedene Beiträge und Perspektiven aus Wissenschaft und Praxis. Unter anderem sprach Prof. Dr. Marc Patetzke, Dekan der Universität Hildesheim, zu aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen im Bildungsbereich. Darüber hinaus brachte Julia Willi Hamburg (Kultusministerin) weitere Impulse in die Diskussion ein.
Im Verlauf der Veranstaltung wurde deutlich: Bildung braucht nicht nur gesellschaftliche Aufmerksamkeit, sondern auch eine deutlich stärkere finanzielle Unterstützung. Gleichzeitig wurde hervorgehoben, dass Demokratiebildung weit mehr ist als politischer Unterricht - sie ist eine Haltung, die im Alltag gelebt, vermittelt und erfahren werden muss.
Im Anschluss bot der Empfang Raum für Begegnung und Austausch. In offener Atmosphäre konnten sich die Teilnehmenden bei Gesprächen, Snacks und Getränken vernetzen. Zusätzlich bestand die Möglichkeit, sich an verschiedenen Stationen aktiv zu drei Themenbereichen einzubringen und eigene Perspektiven einzubringen.
Zum Abschluss verabschiedeten Pascal Mennen und Lena Nzume die Gäste und rundeten eine Veranstaltung ab, die deutlich machte: Gute Bildung ist eine zentrale Grundlage für gesellschaftlichen Zusammenhalt, demokratische Teilhabe und eine zukunftsfähige Gesellschaft.
Als Verband begrüßen wir den fachlichen und politischen Austausch und sehen in solchen Dialogformaten eine wichtige Möglichkeit, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und Bildungsfragen gemeinsam weiterzudenken.
